Wahrnehmungsprozesse

Kurator Andreas Bayer über seine Auswahl der Saarbrücker Künstler

Mit der „SaarART 2013“, der zehnten Landeskunstausstellung des Saarlandes als größtes zusammenhängendes Kunstprojekt der Großregion, in der exemplarisch wichtige künstlerische Positionen und ästhetische Entwicklungen im Saarland und in der Region vorgestellt wurden, zeigte sich die aktuelle Kunstszene des Saarlandes in einer medial vielfältigen und qualitativ hochwertigen Auswahl künstlerischer Projekte, die sich auf nationalem und internationalem Niveau bewegt. Diese Ausstellung hat mit rund 100 künstlerischen Positionen an insgesamt neun Projektstandorten einmal mehr deutlich gemacht, dass sich eine bemerkenswerte Kunstszene auch topografisch abseits aktueller Kunstmetropolen und außerhalb marktrelevanter Trends progressiv entwickelt.
Die in der Landeshauptstadt Saarbrücken angesiedelte Hochschule der Bildenden Künste Saar nimmt hierbei, in der Tradition ihrer Vorgängereinrichtungen, eine zentrale, impulsgebende Funktion ein, sodass hinsichtlich einer Auswahl von Saarbrücker Künstlerinnen und Künstlern für den Kunstpreis Robert Schuman 2015 ein beispielhafter Blick auf Absolventinnen und Absolventen der jüngeren Vergangenheit angezeigt scheint.
Mit Juliana Hümpfner, Simon Kloppenburg, Peter Strickmann und Claudia Vogel wurden vier Positionen ausgewählt, deren Arbeiten sich durch einen ausgesprochen konzentrierten, jenseits medial basierter Manierismen anzusiedelnden Purismus auszeichnen. Weiterhin weisen die hier nominierten Künstlerinnen und Künstler in ihrer bisherigen Entwicklung eine hohe Konsequenz auf, sodass – wenn auch natürlich immer im Werden begriffen – eine bereits reife und überzeugende künstlerische Haltung formuliert wird.

Wenn auch in den medialen Ansätzen und der formalen Realisierung unterschiedliche Umsetzungsverfahren verfolgt werden, so ist den hier für den Kunstpreis Robert Schuman 2015 vorgestellten Künstlerinnen und Künstlern dennoch gemeinsam, dass in ihren Arbeiten und Projekten Prozesse der inneren und äußeren Wahrnehmung thematisch, anschaulich und erfahrbar werden.
Dies vollzieht sich wohltuend unangestrengt und unbelastet von konzeptueller Theoriebildung in der unmittelbaren, sinnlichen Entfaltung und Rezeption der Werke selbst.

Die Arbeit von Juliana Hümpfner ist bestimmt von figural und gegenständlich basierten Motiven, die im malerischen Prozess ihren realweltlichen Bezug relativieren und in eine von freier Gestik bestimmte, emotionalisierende Bildform überführt werden.
Simon Kloppenburg formuliert in seinem Werk plastische, visuelle und raumspezifische Aspekte der Leibeserfahrung und eigenleiblicher Erlebnisqualitäten und gelangt dabei zu umfassenden sinnlichen Situationsbeschreibungen.
Mit Peter Strickmann ist ein Klangkünstler vertreten, der seine Arbeitsschwerpunkte im Aktionsbereich der Performance ebenso wie in den situativen Kontexten des Ortsbezuges definiert.
Claudia Vogel thematisiert und analysiert in ihren Arbeiten die Relation von Farbe und Materialität als genuine Bildkomponenten und formuliert dabei eine ästhetische Befragung der kanonisierten Konstituenten des tradierten Tafelbildes.

Somit sind für die Landeshauptstadt Saarbrücken beim Robert Schuman Preis 2015 Künstlerinnen und Künstler vertreten, die ein Spektrum aktuell möglicher künstlerischer Handlungsfelder abbilden und die in ihren Arbeiten in großer Unabhängigkeit von marktkonformen Standards ihr Werk entwickeln.

 

Andreas Bayer