Simon Kloppenburg

Simon Kloppenburg

InstallationSaarbrücken

Biografie

1983 geboren in Rendsburg, Schleswig-Holstein/Deutschland 2009–1014 Studium ander HBKsaar bei Prof. Gabriele Langendorf und Prof. Georg Winter. Seit 2014 Meisterschüler bei Prof. Gabriele Langendorf

Preise und Stipendien

2015 Atelierstipendium Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken 2014 Förderpreis Dr. Dieter & Ulrike Scheid für bildende Kunst 2013 Deutschlandstipendium

Ausstellungen

2015 RIT(T)E, Galerie der HBKsaar 2014 Opération Ho Ho Ho, Halle Verriere Cardame, Meisenthal, Frankreich; Accrochage #3, Galerie ohne feste Bleibe, Überherrn; Brücke im Dschungel, Kunsthalle Weissensee,Berlin; Crash, bbungalow, Seoul, Südkorea; Evolution, Stagnation, Involution – gewissermaßen dazwischen –, Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken; Dormitory, Suwon, Gyeonggi-do, Südkorea; Amen, Alte Becolin-Farbenfabrik, Saarbrücken; Verliebte Seefahrer & lachende Künstler, Art Rotterdam Week, Havenmuseum, Rotterdam, Holland

Kontakt

www.simonkloppenburg.com

Simon Kloppenburg behandelt in unterschiedlichen Medien und mit diversifizierenden Strategien die Horizonte der leiblichen Erfahrung und überzeugt dabei mit der ästhetischen Thematisierung eigenleiblicher Erlebnisqualitäten in der Korrelation von aktiver Individualerfahrung und räumlich wie auch bildlich visualisiertem Werk. Der konkrete leibliche Akt des Hineintretens in ein künstlerisch gestaltetes Raum-Medium und die Bewegung in diesem wird behandelt als immersives Verfahren, bei dem die physikalische Teilhabe als sensuelle Praxis zum zentralen Bestandteil der ästhetischen Wirkungsstrategie wird. Der Rezipient ist Akteur und Partizipierender zugleich und bestimmt so die individualzentrierte Wahrnehmungssituation. Dies thematisiert Simon Kloppenburg auch in den Bildmedien der Malerei sowie der Zeichnung und entwirft hier, im Zusammenspiel von figürlichem Motiv und räumlicher Konstitution, ein eigentümlich fragiles, existentiell aufzufassendes Gewebe.

Bezeichnend für diesen umfassenden künstlerischen Ansatz ist die Arbeit sequence of movements / Störungen aus dem Jahr 2014, zwei raumbezogene Installationen und eine Zeichnung. Der Betrachter- Akteur wird durch die gleichsam erzählerische, mehrteilige, medial und raumplastisch verschieden gestaltete Raumfolge geführt, die in jeweils unterschiedlicher Akzentuierung Aspekte der leiblichen Bewegungserfahrung verstärkt oder irritiert. Nachdem man durch eine trichterartige Raumschleuse in den künstlerischen Aktionsraum entlassen wurde, erreicht man einen prägnant-skulpturalen Kubus als betretbaren Raum im Raum. Die Wahrnehmung der Innensituation, die durch eine in Teilen opake Deckenfläche diffus beleuchtet ist, entsteht langsam durch die Adaption des Auges. Der vermeintlich feste Grund erweist sich als labile Standfläche und hält im relativen Raumdunkel die eigenleibliche Orientierung in einer labilen Schwebe.
Die bisher in der räumlichen Bewegung gemachten Erfahrungen werden abschließend transponiert und konzentriert in einer großformatigen Zeichnung, die das leibliche Erlebnis ebenso als Erinnerung wie auch als Gegenwart anschaulich begreifbar macht.

War diese Arbeit in der Sukzession eher sequenziell aufgebaut und mit den einzelnen Stationen als Objektfolge im Raum konzipiert, so ist Simon Kloppenburgs Beitrag für den Robert Schuman Preis 2015 mehr als singulär in die vorgegebene Architektur eingebundene und mit ihr interagierende Installation zu verstehen. Als Variation der „sequence of movements“ entwickelt Simon Kloppenburg für den Vorraum des zum Innenhof des Simeonstifts hin gelegenen, zweigeschossigen Kreuzgangs die räumliche Intervention trumpet, die sich innerhalb der mittelalterlichen Architektur zunächst als minimalistisch-skulpturale Darstellung vermittelt. In einen monumentalen Holzrahmenkubus sind materialsichtig-verzinkte Stahlblechtafeln so eingelassen, dass sie schräg zur Bodenfläche geführt werden. Hierdurch entsteht ein nach oben geöffneter „Raum-Trichter“, der mittels einer Seitenöffnung für Besucher begehbar ist. Der Bodenbereich ist flächendeckend mit schwimmend verlegten, stark aufglänzenden Natursteinplatten gestaltet.
Beim Betreten des Raumes sinken die lose verlegten Platten ein und erzeugen durch die an den Kantenflächen entstehende Reibung unangenehm-schrille Klänge, die sich durch die Trichterform und die obere Raumöffnung in besonderer Weise auch dem räumlichen Kontext des Kreuzgangs vermitteln. Die hierbei entstehende Korrelation von simultan wahrnehmbarem Innen- und Außenklang erweist sich als Ergebnis eines sich auf betont physischer Ebene vollziehenden interaktiven Prozesses. Der Innenraum des Objekts wird durch die Besucherbewegung erschlossen und dabei zugleich mit klanglichen Aspekten aktiviert, die als aktionsbasiertes Reaktionsprodukt einerseits den Raumcharakter als akustische Form beschreiben und andererseits auch, vermittelt durch die spezifische Klangqualität und die prekäre Standsituation der Besucher, unmittelbar auf die leiblichen Erfahrungshorizonte einwirken. Im Vorraum des Kreuzgangs, als Außenbereich, sind die Klänge hörbar und werden durch die architektonische Situation in ein vom Innen verschiedenes, auditives Environment überführt. Der Ursprung der in den Raum ausstrahlenden Klänge bleibt hier allerdings im Unklaren.

In der Relation von Innen und Außen entstehen geteilte Resonanzräume, die zugleich auch als geteilte Wahrnehmungsräume fungieren. Mit seinem Beitrag formuliert Simon Kloppenburg eine ortsbezogenhybride Intervention, die als die mittelalterliche Architektur konterkarierende, plastische Form sowohl in leiblich-skulpturaler Hinsicht wie auch als physisch-akustische Raumerfahrung wirksam ist.

 

Andreas Bayer