Peter Strickmann

Peter Strickmann

InstallationSaarbrücken

Biografie

1983 in Würselen geboren 2003–04 Studium der Philosophie und Sozialwissenschaften, Universität Duisburg-Essen 2008–13 der Studium Freien Kunst bei Prof. Christina Kubisch und Prof. Georg Winter, HBKsaar 2013 Diplom mit Auszeichnung, Ernennung zum Meisterschüler von Prof. Christina Kubisch 2013–15 Vertiefung bei Prof. Andreas Oldörp/ Artistic Research In Sound, HBKsaar. Lebt und arbeitet in Saarbrücken.

Preise und Stipendien

2016 Braunschweig Projects, Klangkunst-Stipendium des Landes Niedersachsen 2014/2015 Atelierstipendium des Saarländischen Künstlerhauses Saarbrücken 2014 artmix_8, Künstleraustausch Saarbrücken-Luxemburg 2013 Roter Engelscher Diplomknoten, Völklingen 2012 Saarland-Stipendium der StudienStiftung Saar 2007 Förderpreis zum Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim/Ruhr

Ausstellungen (Auswahl)

2015 Übermorgenkünstler, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden; Peter Strickmann – sounds like words, Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass, Saarbrücken; Peter Strickmann – Mitten, zeitraumexit Mannheim; Peter Strickmann – Obergeschosse, Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken 2014 Susanne Kocks/Peter Strickmann – Saisonvertretung Winter #1 Springbrunnen, Stadtgalerie Saarbrücken; bonn hoeren – urban sound art / stadt klang kunst – sonotopia, Beethovenstiftung, Bonn; Festival SINSTRUCT mit Planet Dance Ensemble Europe Tour, Senale San Felice, Italien; PICKNICK – artmix_8, Les Annexes, Luxemburg 2013 Peter Strickmann – Schnarcharchiv, Prima Kunst, Kiel; SaarART 2013, 10. Landeskunstausstellung des Saarlandes, KuBa-Kulturzentrum am Eurobahnhof, Saarbrücken; Kunststudentinnen und Kunsstudenten stellen aus, Bundeskunsthalle, Bonn; Peter Strickmann– Ein Interview mit Cu Rùa, Superdong, Saarbrücken 2012 Internationales Forum für Psychomotorik / Performance / Interaktion, Kunstmuseum Stuttgart; DRIVE BY, Ölhalle Offenbach; gongred – junge szene saar, Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt

Veröffentlichungen

Peter Strickmann – Far Out Nah Laut, Saarländisches Künstlerhaus (Hrsg.), Ausstellungskatalog, 2015
Peter Strickmann – An Interview with Cu Rua, ismellpainter & SSEA (Hrsg.), 10" Schallplatte, 2015
Peter Strickmann – Schnarcharchiv Auszug #1, ismellpainter (Hrsg.),Audio CD, 2013
Peter Strickmann – Collected Writings, Edition HBK, Beate Mohr/Dirk Rausch (Hrsg.), Siebdruck, 2012

Kontakt

peterstrickmann.blogspot.de

Peter Strickmann weist in seiner noch jungen Künstlerbiografie bereits zahlreiche überregionale Ausstellungen, Stipendien und internationale Projektbeteiligungen vor. Als Klangkünstler mit starken performativen Anteilen überschreitet er die Grenzen der klassischen Sound Art und entwickelt frische und unkonventionelle Präsentationsformen in situativen Kontexten. Dabei realisiert Peter Strickmann Klanginstallationen, tritt aber mit gleichem Interesse auch als Akteur bei Soundperformances und -aktionen in Erscheinung. Aus immer wieder neuer Perspektive lässt er sich auf ortsspezifische Situationen und Geschichten ein. Den jeweils er- oder gefundenen Klang behandelt er nicht lediglich als am Ort gegebenes, zu bearbeitendes Material, sondern integriert in seine künstlerische Arbeit auch erweiternd die jeweiligen narrativen Aspekte der spezifischen Klangqualität und die Wirksamkeit von Klängen in sozialen Kontexten. Situativ bestimmte Klanghandlungen und Soundinterventionen in Außen- und Innenräumen bilden dabei den vorrangigen Anteil im aktionsbestimmten Werkspektrum. Im Umgang mit den akustischen Aktivitäten und Qualitäten eines Ortes entwickelt Peter Strickmann ein für das jeweilige Aktionsumfeld spezifisches Instrumentarium aus gewöhnlichen und ungewöhnlichen Gegenständen, das mit rein mechanisch erzeugten Klangsequenzen und -folgen den auditiven Wahrnehmungsraum übergreifend und integrativ gestaltet. Dabei verfolgt Peter Strickmann keine gezielt mimetischen Ansätze, vielmehr wendet er assoziative Verfahren an, bei denen die sich aus Raumsituation, Handlung und Klangproduktion ergebenden Synästhesien leitend sind für die künstlerische Produktion.

Hinsichtlich kontextorientiert-installativer Arbeiten sind in der aktuellen Werkphase die Naturelemente Wasser und Luft als Gestaltungsmaterialien in den Vordergrund getreten. Hierbei untersucht und thematisiert Peter Strickmann die plastischen, visuellen und mechanischen Qualitäten von Wasser und Luft und entwirft in raumskulpturalen Setzungen offene Experimentalsysteme, die der amorphen Struktur der Materialien einen gestalterischen Rahmen bieten. Neben den haptischen und visuellen Aspekten analysiert Peter Strickmann in breit angelegten, theoretischen und praktischen Studien zudem die Klangwelt des Wassers in den verschiedenen Formen der ästhetischen Domestizierung als Brunnen, Fontäne sowie Wasserspiel. Gleichermaßen werden die skulpturalen und gestischen Potenziale von bewegter Luft ästhetisch thematisiert.

Für den Kunstpreis Robert Schuman 2015 realisiert Peter Strickmann zwei, gesondert auf die Raumarchitektur des Museum Simeonstift bezogene Arbeiten als installative Inszenierungen. Im langen Gang des Museumseingangsbereichs ist die Arbeit Zappel (für Philipp) stationiert. In die 22 Fensterlaibungen der Neubauarchitektur sind über den Lüftungsöffnungen der Klimaanlage verschieden lange Baumwollfäden eingehängt, die durch die unterschiedliche Intensität der Luftströmungen in eine jeweils modulierende, sich nicht identisch wiederholende Bewegtheit versetzt werden. Die still strömende Luftbewegung zeigt sich als Auswirkung am Material im Zittern, Zucken und Schwanken der Fäden, die wiederum in ihren Gestaltvariationen sowie in ihrem Gebärdencharakter nahezu wesenhaft erscheinen und grafisch-bewegte Bilder von tänzerischer Leichtigkeit in die einzelnen Laibungen zeichnen.
Peter Strickmann begleitet mit dieser zurückhaltenden Intervention den architektonischen Rhythmus des Raumes, fügt diesem eine subtile, visuell-plastische Taktung hinzu und synchronisiert die Erfahrung der räumlichen Besucherbewegung mit der Bewegtheit der Installation. Mit dieser, an die Klimaanlage angebundenen Konzeption gestaltet Peter Strickmann eine von der technischen Infrastruktur des Museums abhängige pneumatische Symbiose, mit der die Wirkungsweise des unsichtbaren Raumelements Luft plastisch visualisiert und gestisch materialisiert wird.

Eine weitere Arbeit, Sausewind , entfaltet sich vor einer Fenstersituation im ersten Obergeschoss des Treppenhauses. Von der hoch geführten Decke hängt ein Schlauch herab, an dessen Ende ein mit Stoff bespannter runder Rahmen befestigt ist. An den Schlauch wiederum ist eine Pumpe angeschlossen, die Luft und eine geringe Menge Wasser in den Stoff führt, sodass das Tuch permanent durchfeuchtet ist. Durch die Luft- und Wasserzufuhr bilden sich an der Stoffmembran kleine Bläschen und es entstehen leise Zisch- und Pfeifklänge. Die Intensität von Luft- und Wasserzufuhr bleibt immer gleich, wie diese jedoch an der Membran reagiert, kann nicht gesteuert werden, sodass die Folge der Klangsequenzen im Unkalkulierbaren verbleibt. Diese sensible Soundsituation verbindet sich mit dem „Visual Track“ der Außengeschehnisse jenseits des Fensters, die sich wie ein Stummfilm zum Klangprozess im Gebäudeinneren verhalten.

Mit seinen minimalistisch reduzierten Interventionen verleiht Peter Strickmann ausgewählten Raumsituationen eine gestaltete akustische Dimension und eine sinnlich gegenwärtige Aktivität.

 

Andreas Bayer