Mike Bourscheid

Mike Bourscheid

PerformanceLuxemburg

Biografie

1984 in Luxemburg geboren 2003–2006 Université d‘Aix-Marseille, Frankreich, Bachelor in Arts plastiques (2006) 2006–2011 Universität der Künste Berlin (UdK), Deutschland 2011 Absolvent bei Prof. Lothar Baumgarten (BFA) 2012 Meisterschüler bei Michaela Meise (MFA), Universität der Künste Berlin (UdK), Deutschland. Lebt und arbeitet in Luxemburg und Vancouver, Kanada

Preise und Stipendien

2015 Projektförderung vom Kulturministerium Luxemburg 2014 Projektförderung vom Kulturministerium Luxemburg; Stipendium für einen Studienaufenthalt am Banff Centre, Ab, Kanada 2013 Fotografie-Stipendium “Regards sans limites”, Großregion 2012 Projektförderung vom Centre national de l‘audiovisuel (CNA), Dudelange; Projektförderung vom Kulturministerium Luxemburg 2011 Vorgeschlagen für den Welde-Fotokunstpreis, Mannheim, Deutschland 2010 IBB-Preis für Fotografie (zusammen mit Cyrill Lachauer), Berlin, Deutschland; Projektförderung vom Kulturministerium Luxemburg 2009 Kunststipendium vom Centre national de l‘audiovisuel (CNA), Dudelange

Einzelausstellungen

2016 Centre d‘art Oeil de poisson, Quebec, Kanada; Gallery 295, Vancouver, Kanada 2015 ehe Ehe, Galerie Nei Liicht, Dudelange 2011 Waldi auf dem Dach, Galerie Traversee, München, Deutschland

Kontakt

www.mikebourscheid.com

Eigenartige Kostüme, märchenhafte Gebilde und bizarre Posen charakterisieren Mike Bourscheids Arbeiten. Der Ursprung seiner multimedialen Produktionen sind autobiografische Erlebnisse sowie Auseinandersetzungen mit gesellschaftskritischen Themen, die den Künstler beschäftigen. Durch den Einsatz von Humor und Irritation gelingt es Bourscheid, tiefgreifende und schwierige Themen anzusprechen und in Frage zu stellen.

Nach seinem Studium an der Universität der bildenden Künste in Berlin, während dem Bourscheid sich hauptsächlich mit dem Medium der analogen Fotografie beschäftigte, verlagerte er sein Atelier nach Vancouver. Der Künstler, der mittlerweile durch eigens geschriebene Märchen und erfundene Charaktere sein künstlerisches Universum aufgebaute hatte, musste feststellen, dass es gravierende kulturelle Unterschiede gab, was die Auffassung von Humor betrifft. Aus diesem Kontext heraus entstand die erste performative Arbeit Bourscheids Der Hammel von Kouver – Introducing myself to the Canada Geese (2012). Mit einem selbstgebauten Instrument imitiert der Künstler die Töne der berühmten kanadischen Gänse. Auf selbstironische, höhnische und nahezu dadaistische Art und Weise versucht der Künstler so, die kulturellen Barrieren zwischen seiner Herkunft und seiner neuen Heimat zu überbrücken.

Bourscheid distanziert sich in den letzten Jahren immer mehr von seiner rein fotografischen Vorgehensweise und wendet sich nach und nach der Performance-Kunst und der Kostümierung zu. Diese erlauben es ihm durch fiktive maskuline oder feminine Charaktere, unterschiedliche Genderfragen aufzuwerfen und sich gegen die Unterdrückung von Minoritäten auszusprechen. In Du hast das von deinem Vater – Wir tanzen unseren Namen (2015) spielt Bourscheid beispielsweise auf die Vorurteile und die Voreingenommenheit in unserer Gesellschaft an.

Die Thematisierung zwischenmenschlicher Beziehungen findet man in mehreren rezenten Arbeiten des Künstlers. In So stell ich mir Liebe vor (2015) beschäftigt sich Bourscheid mit der Lebensgeschichte seiner Eltern und den Entscheidungen, die sie treffen mussten. Dies erfolgt jedoch aus seiner persönlichen Sicht, als nun ebenfalls Erwachsener, der selbst den komplexen und oftmals schwierigen Weg der Entscheidungen durchleben muss. Die Arbeit besteht aus mehreren Teilen: zwei Skulpturen, eine aus Aluminium und eine aus Pailletten und Holz, wobei zu jeder Skulptur eine passendes Kostüm gehört. Die Arbeit wird durch eine Performance vervollständigt, bei der der Künstler abwechselnd eins der Kostüme trägt. Zur jeweiligen Kostümierung singt Bourscheid eine selbstkomponierte Liebesschnulze aus jeweils männlicher und weiblicher Sicht. Die Eigenschaften und die damit verbundenen Einschränkungen des Materials spielen hierbei auf die Hürden im Leben an.

Bei der prozesshaften Entwicklung seiner Arbeiten misst er dem Material eine bedeutende Rolle zu. Dieses ist meistens das Ergebnis einer bewussten Materialrecherche und spiegelt die Essenz der Arbeit wieder. So auch in Die Ehe als Vorbeugung des Oedipuskonfliktes (2015). Nachdem der Künstler letztes Jahr geheiratet hat, wollte er einen Sattel bauen, mit dem er und seine Partnerin sich gegenseitig durchs Leben tragen könnten. Bourscheid hat sich viel mit dem Grundgedanken der Ehe und den damit verbundenen gesellschaftlichen, kulturellen sowie religiösen Konventionen auseinander gesetzt. Auch die Last der ewigen Liebe und die sexuelle Abhängigkeit dem anderen gegenüber werden hier verarbeitet. Bourscheid widersetzt sich all dem, indem er seine eigene Interpretation des Ehegelübdes vorschlägt und sich dem konservativen Konstrukt der Ehe widersetzt.

Auf innovative, spöttische und humorvolle Art und Weise verbindet Bourscheid Gesellschaftskritik mit dem Aufarbeiten seiner eigenen Biografie. Durch den Einsatz humoristischer Elemente entsteht eine Brücke zum Betrachter. Sein prozesshaftes Arbeiten sowie die Einbindung und Vermischung verschiedenster Materialien lassen ein eigenes Universum entstehen, in dem immer wieder neue Elemente und Bedeutungen geschaffen werden.

 

Daniela Del Fabbro