Material Kunst

Kuratorin Daniela Del Fabbro über ihre Auswahl der Luxemburger Nominierten

Der 'luxemburgische Künstler' ist eine schwer fassbarer Begriff. Die Infrastrukturen im Land forcieren den Gang ins Ausland. Wer Kunst studieren will, sucht sich eine Ausbildung anderswo. Dieser Umstand führt zu einer lebendigen Vielfalt in den künstlerischen Überlegungen und schließt einen nationalen Stil schlicht aus.

Die vier von mir ausgewählten luxemburgischen Künstler benutzen eine sehr eigene Formensprache. Ihre künstlerische Herangehensweise ist stets mit ihrem engeren Umfeld und dem Erfahrenen verbunden. Die ausgestellten Arbeiten sind rezent entstandene Werke, wobei sich jeder der vier Künstler dazu entschlossen hat, jeweils eine neue Arbeit anlässlich der Ausstellung im Rahmen des Kunstpreises Robert Schuman zu präsentieren.

Die luxemburgische Kunstszene hat sich in den letzten Jahren wesentlich verändert und professionalisiert. Eine immer größer werdende Anzahl freischaffender Künstler profitiert von diesem Umfeld und den allmählich vorhandenen sozioökonomischen Möglichkeiten in Luxemburg.
Diese Entwicklung ermöglichte mir eine präzise Auswahl der Künstler, wobei ich die Eventualität eines gemeinsamen Nenners unter den Künstler hervorheben wollte.

Das Material spielt in der Kunst seit jeher eine übergeordnete Rolle. Zu den klassischen Gattungen der Malerei und der Bildhauerei gesellten sich neue Ausdruckformen, die das Material nicht nur zu Produktionszwecken benutzen, sondern ihm vielmehr eine autonome Rolle zuweisen. Das Material kann nicht nur auf die technischen Gegebenheiten der unterschiedlichen Stoffe reduziert werden; angeordnet nach Kriterien der Ästhetik ergeben sich neue Kategorien.
Alltägliche Gegenstände, deren Produktions- und Nutzungsgeschichte allgemein bekannt sind, werden durch den veränderten Kontext umgewandelt. Unterschiedliche Materialien sind unterschiedlich konnotiert und verleihen den Kunstwerken neue Bedeutungen. Das Material zeigt sich nicht nur als Abbild, sondern viel öfter als erfahrbares Element.

Die ausgewählten Künstler beschäftigen sich grundverschieden mit dem Material, da sich ihre konzeptuelle Herangehensweise auch stark unterscheidet. Bei Letizia Romanini wird das Material zum möglichen Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Recherche. Durch Verlagerung erlangt das Material bei ihr eine neue Bedeutung.

Auch Laurianne Bixhain zeigt eine intuitive Sensibilität dem Material gegenüber, wobei für sie vor allem die Oberfläche eine wesentliche Rolle spielt. Durch ihre Fragmentbilder fördert sie neue Verbindungen und lässt neue Umgebungen entstehen.

Mike Bourscheid benutzt bekannte Gegenstände und Materialien, um sich auf humorvolle, gar spöttische Art und Weise in Szene zu setzen. Die Inspiration hierfür entstammt oftmals seinen Kindheitserinnerungen, so lassen seine innovativen Kombinationen neue Objekte entstehen, die oftmals an Märchengebilde oder Fabelwesen denken lassen.

Bei Gilles Pegel steht die Auswahl des Materials in engem Zusammenhang mit dem Inhalt der Arbeit. So wenig sich der Künstler auf ein bestimmtes Medium eingrenzen lässt, so offen und experimentierfreudig ist seine Verwendung von Material und seine Formensprache. Die ästhetische Erfahrung unterstützt den inhaltlichen Charakter der Arbeit.

Das kulturelle Angebot in Luxemburg wächst stetig und damit auch die Ausstellungsmöglichkeiten für bildende Künstler. Dennoch bleiben die Kontakte ins Ausland ausschlaggebend für die künstlerische Entwicklung des Einzelnen. Viele Initiativen in der Großregion bieten hervorragende Bedingungen und fördern den Austausch zwischen den Künstlern und den Kuratoren.
Es liegt an den Künstlern, von ihren Nominierungen und den damit verbundenen Möglichkeiten zu profitieren.

 

Daniela Del Fabbro