Marianne Mispelaere

Marianne Mispelaëre

Konzeptuelle Kunst, Zeichnung, VideoMetz

Biografie

Née en 1988 en Isère 2009 DNAT image et narration, École Supérieure d’Art de Lorraine, Épinal 2012 DNSEP art, Haute Ecole des Arts du Rhin, Strasbourg. Vit et travaille à Strasbourg et Paris

Preise und Stipendien

2016 Résidence à Berlin, 6 mois, programme de résidence de l’Atelier Mondial de Bâle, Suisse 2015 nominée au Prix d‘Art Robert Schuman, Stadtmuseum Simeonstift Trèves, Allemagne; AIA attribuée par la DRAC Alsace, Ministère de la Culture et de la Communication; 2014 Résidence à Stuttgart, 3 mois, Allemagne; Résidence de recherche à la Kunsthalle de Mulhouse 2013 Résidence à la Kunsthalle de Mulhouse, 2 mois, programme AIR Nord-Est; 3° Prix des Arts des Rotary Clubs de Bonn, Allemagne & Strasbourg

Einzelausstellungen

2015 You know what I don’t tell, Gedok e.V. Stuttgart, Allemagne 2011 Un livre éclate, avec Guillaume Barborini, Galerie du Théâtre Gérard Philipe, Frouard

Veröffentlichungen

Je raconte un pays où on apprend beaucoup, revue Tenons et Mortaises, 2015
Le premier monde, transrevue TALWEG 02, Pétrole Éditions 2014
Objets extérieurs, mécanismes intérieurs, Pétrole Éditions 2014
Bibliothèque photographique (Extrait), photographie, Pétrole Éditions, 2014
Viens on va parler au ciel, texte, à propos de la série PROIES de la photographe Delphine Gatinois, 2013
Ici et maintenant – construire un pays, transrevue TALWEG 01, Pétrole Éditions, 2013
Übersetzen, livret réalisé suite à l’exposition éponyme, texte de Stéphane Lemercier, Stuttgart 2012
Diplômes 2012, catalogue de l’exposition éponyme, Strasbourg 2012
TIP, conversation de dessin avec l’artiste Claude Horstmann, édition d’artiste, 2011
La communauté – se mettre en face – fabriquer quelque chose pour s'asseoir– retirer ses semelles de plomb, édition one shot SANS TITRE, 2011

Kontakt

www.mariannemispelaere.com

Wenn sie ihren Füller aufschraubt oder ihren Pinsel zur Hand nimmt, begibt sich Marianne Mispelaëre auf eine meist lange Gefühlsreise, während derer die Geste die Hauptrolle spielt. Bei dieser Form des freiwilligen Exils, dem sich die Künstlerin wie einer erlösenden Initiation unterzieht, kommt die Zeit zum Erliegen. Diesen Prozess des Forschens und Experimentierens nennt sie „die Zeit des Entwurfs“, und sie definiert ihn wie folgt: „Diese Introspektion ist nicht ichzentriert, denn sie zielt darauf ab, ein gewisses Bewusstsein zu entwickeln. Sie ist wohl ethnografischer Art. Arbeiten, Lesen, Zeichnen sind kein Rückzug aus dem Leben. Je mehr ich in mich eintauche, umso mehr öffne ich mich. Denn je mehr ich mich der Authentizität nähere, umso näher komme ich der Welt und den Individuen. Die Welt erfassen, sich in das Blatt vertiefen, die drei Begriffe ,Welt‘, ,Lesen/Schreiben‘ und ‚Zeichnen‘ in einen Dialog miteinander bringen, um den einen in Bezug auf die anderen ein wenig besser zu verstehen.“

Die Linie fließt aus der Geste und ist allen Zwängen unterworfen, die sie ihr auferlegt. Allmählich entsteht die Form, und sie bleibt bestehen – im Gegensatz zur Geste, die nur noch diese Spur hinterlässt, eine Art Negativbild des Körpers der Künstlerin. Es ist eine Form der Übersetzung ihres physischen Einsatzes, die sich auf der Mauer, dem Blatt Papier oder dem Objektiv ihrer Kamera einprägt. Aber die Künstlerin geht ihren Weg nicht allein; die Isolierung hat ihre Grenzen. Sie lässt dem Austausch, der Begegnung freie Bahn. Manchmal mit dem Publikum, das an ihren gestischen Zeremonien teilnimmt, aber manchmal auch mit anderen Akteuren, die in den Schaffensprozess eingebunden sind.

Im Jahre 2011 hat sie eine Serie von Werken mit dem Titel Conversation I begonnen, die nicht von den ausgesprochenen Worten, zeugen, sondern eher von den physischen Eigenarten dieser Austauschprozesse. Es geht um die grafische Übersetzung dieser Dialoge, ihrer Wortwechsel, ihrer Kompromisse, ihres Schweigens oder auch ihres Unausgesprochenen, das sie rückzuübertragen versucht. Sie erklärt, dass „die Diskussion ein Phänomen ist, das sie interessiert wegen ihrer Form und wegen dem, was sie hervorbringt. Zwei Personen haben daran Anteil, und jeder schenkt seine Komplexität, Spontanität und Erfahrung dem anderen, um gemeinsam eine Idee entstehen zu lassen.“ Aber jenseits der Form sind ihr auch die Worte wichtig, der Text, der in ihrer künstlerischen Vorgehensweise allgegenwärtig ist. Wenn er in ihren Installationen auch manchmal als Zweck erscheint, so bleibt er doch meistens unterschwellig vorhanden als ein Mittel, um immaterielle Begriffe auszudrücken. Er begleitet ihr Schaffen. Für sie „wohnen im Bild und im Text indirekt dieselben Fragen: Wie können wir das, was um uns herum vorgeht, erfassen, wenn bestimmte Dinge weder sichtbar noch fühlbar und streng genommen auch nicht definierbar sind, sondern stumm und schweigsam. Wie können wir richtig schreiben, ohne auszulassen, zu vergessen oder zu lügen. Wie können wir uns etwas vorstellen, um es zu begreifen?“

Premier ist eine Zeichnung in progress und fand bisher in Sélestat, Mulhouse, Basel, Metz und Privas statt. In Trier wird sie eine Weiterentwickung erfahren. Abhängig vom physischen und psychischen Zustand der Künstlerin, aber auch durch die Rahmenbedingungen, unter denen die Zeichnung zustande kommt, besteht sie aus einem Pinselstrich auf der Wand, mit gleichbleibender Geschwindigkeit, von oben nach unten, während einer Minute. Sie wiederholt diese Geste, bis einer der Parameter der Ausführung ausfällt. Dies kann mehrere Stunden dauern, bis die Tinte ausgeht, der Ausstellungsort seine Tore schließt oder sie physisch völlig erschöpft ist, sodass sie den Pinsel fallen lässt und die Zeichnung für dieses Mal beendet. Zumindest als Objekt. Denn die Erfahrung wird aufs Neue gemacht werden. In einem anderen Kontext werden neue Parameter auftreten, und die Zeichnung wird zwangsläufig unterschiedlich sein.

 

Élodie Stroecken