Letizia Romanini

Letizia Romanini

Konzeptuelle KunstLuxemburg

Biografie

1980 née à Esch-sur-Alzette 2006 Licence en Arts Visuels, Université Marc Bloch, Strasbourg, France 2008 Programme Erasmus / Semestre d’été, KHB – Kunsthochschule Berlin Weißensee, Allemagne, Option Textile - Design Surface / Prof. Gisela Lorenz 2009 DNSEP – Diplôme National Supérieure d’Expression Plastique, Ecole Supérieure des Arts Décoratifs de Strasbourg, France, Option Objet – matériaux souples / Prof. Edith Dekyndt. Vit et travaille entre Strasbourg, France, et Esch-sur-Alzette

Preise und Stipendien

2013 Résidences croisées, Strasbourg/Berlin, oct/déc 2011 Aide à la création, Ministère de la Culture, Grand-Duché de Luxembourg; 1er Prix, Salon International d’Art Contemporain, Esch/Alzette 2010 Résidences croisées, Strasbourg/Vilnius, mars/juin 2009 Prix Révélation, Cercle Artistique de Luxembourg

Einzelausstellungen

2014 Prélèvement/s, CEAAC, Strasbourg, France 2011 Raumspiele, Kulturfoyer, Saarbrücken, Allemagne

Kontakt

romanini.letizia@gmail.com

Letizia Romanini hebt in ihren Arbeiten stets den Bezug zur Alltäglichkeit hervor. Ihre empirische Herangehensweise erlaubt es ihr, banal erscheinende Materialien durch Ansammlung hervorzuheben und in einem neuen Kontext zu präsentieren. Die Künstlerin lässt sich hierbei von ihrem Interesse für Form und Textur leiten.

In Gebeine (2008–2015) verarbeitet Romanini ungefähr 2000 Fingerund Fußnägel die sie zwischen 2008 und 2015 angesammelt hat. Ausgangspunkt war eine kleine Kollektion eigener Finger- und Fußnägel, die Romanini wie winzige Trophäen einer verlorenen  Schlacht gegen die Zeit empfand. Nach und nach hat sich die Kollektion ausgeweitet und auch andere Personen haben sich daran beteiligt. Der Prozess des Nagelwachstums, der die Betulichkeit und die Langsamkeit betont, fordert uns dazu auf, über den Ablauf unserer Zeit nachzudenken. So wird der Moment des Abschneidens zu einem Innehalten und einem Moment der Ernte, indem die eigene Vergänglichkeit und das Zeitempfinden in Frage gestellt werden können. Die abgeschnittenen Nägel werden hier zum Symbol für die flüchtige Existenz des Menschen. Die Symbolik der Arbeit wird noch durch die minutiös und sorgfältig aufgetragene Vergoldung jedes einzelnen Finger- oder Zehennagels verstärkt. Hier spielt die Künstlerin mit dem Kontrast zwischen Anziehung und Abstoßung, gar Ekel, den diese Materie hervorrufen kann. Die Sakralisierung des menschlichen Körpers steht somit in Kontrast mit der Fragilität unserer fleischlichen Hülle.

Vanitasgedanken spielen auch in Suiseki (2015) eine entscheidende Rolle. In einem streng angelegten Protokoll und durch eine einfache Bewegung wird ein gefundener Stein täglich abgeschliffen, bis kurz vor dem Stadium des völligen Auflösens. Auch hier spielt Romanini wieder auf die Vergänglichkeit und auf das Zeitgefühl an. Der künstlerische Prozess spielt mit dem Moment zwischen zwei Befindlichkeiten: dem Sein und dem Nicht-(mehr)-Sein. Im Gegensatz zum Tropfstein, der mit der Zeit an Materie gewinnt, verliert der Stein hier stetig an Umfang. Eine langsame Auslöschung der Materie findet statt.

Diese fortwährende Beschäftigung mit dem Begriff der Zeit findet sich immer wieder in den Arbeiten der Künstlerin. Während in früheren Arbeiten der Ausstellungsraum an sich den künstlerischen Prozess förderte und die Arbeiten meistens in situ entstanden sind, wird der Prozess der Entstehung der künstlerischen Arbeit nun zum strikten Arbeitsprotokoll, indem das Material die Entscheidungen leitet.

In Ta Panta Rhei (2015) versucht Romanini auf gefühlvolle Art und Weise, das Zeitempfinden zu messen, um es erfassbarer zu machen. Auf dickem Zeichenpapier, in speziell dafür angefertigte Rahmen eingespannt, lässt Romanini eingefärbtes Wasser in unterschiedlichen Ausbuchtungen verdunsten. Die Verdunstung bewirkt eine Verringerung der Flüssigkeit. Durch die Evaporation entstehen Ränder, welche die flüssige Masse nun verbildlichen. Die sichtbaren Zeitintervalle bestehen aus 24-Stunden Zyklen, die durch klimatische Bedingungen beeinflusst werden. An Jahresringe eines Baums erinnernd werden sie zu Zeugen, zu Spuren und zur Materialisierung von Zeit.

Letizia Romanini schafft immer wieder neue Paradigmen zwischen der Natur des konstitutiven Materials, sowie der damit verbundenen Assoziation des Betrachters. Die Wahrnehmung und das Verständnis ihrer Arbeiten entstehen stets durch kognitive Verbindungen.
Ihre Arbeiten widmen sich mit extremer Aufmerksamkeit dem Material an sich und werden zu „Behältern“ eines Prozesses der Aneinanderreihung von Ereignissen und Entwicklungen.
Mit ihrer künstlerischen Vorgehensweise schlägt uns Letizia Romanini eine fragmentarische und zutiefst ästhetische Gegen-Realität vor.

 

Daniela Del Fabbro