Katharina Jung

Katharina Jung

FotografieTrier

Biografie

1993 in Trier geboren 2011 Abschluss als Textil- und Modedesignerin 2013 Kauf der ersten Fotokamera 2014 Abschluss einer Ausbildung zur Mediengestalterin. Seit Oktober 2014 als Aussteigerin unterwegs

Preise und Stipendien

2014 20 under 20, Flickr

Ausstellungen

2014 RosaRot Salon, Trier; Photo Gallery, Cagliari, Italien; 20 under 20, Milk Studios, New York

Kontakt

www.indpndt-photoart.de

Weit spannt die Seele ihre Flügel aus.
Katharina Jungs Bilder betrachtet man nicht, man atmet sie: ihre Weite, ihren Dunst, ihr Licht. Man geht in ihnen auf wie die Protagonisten ihrer endlosen Landschaften, die in Tau-benetzte Wiesen tauchen, sich in dunklem Wasser treiben lassen, mit dem Wind in den Himmel steigen oder im weichen Unterholz ruhen. Die Fotografien bestechen durch eine immersive Kraft, deren Geheimnis in der Sehnsucht liegt, die ihre Motive wecken.

Die Bilder zeigen junge Menschen in der Natur. Sie geben sich der Einsamkeit von Feld und Wald hin, lassen sich in neblige Panoramen fallen, wandeln im dämmrigen Morast oder werden von tosenden Wasserfällen umspült. Die Landschaften, in denen sie aufgehen, wirken unberührt und ursprünglich. Mit den verhangenen Bergrücken, tiefgrünen Wäldern, saftigen Flusstälern und erdigen Schollen wählt Katharina Jung archetypische Settings, die Urkräfte von Wasser, Wind, Licht und Wachstum heraufbeschwören. Bilder eines universalen Gedächtnisses. Ruhevoll und erhaben. Meist macht sie ihre Aufnahmen im Morgengrauen, der Abenddämmerung oder bei wechselhafter Witterung, wenn Wolken und Nebel einen Schleier des Bedeutsamen über die Landschaft legen. Mit Rauchbomben, Trockeneis oder Farbpartikeln, die sie in der Luft zerstäubt, stimmt sie in die natürliche Dramaturgie mit ein und inszeniert Momente zwischen metabolischem Rausch und Ungewissheit.
In diese semantisch prallen Szenen dringen ihre Darsteller ein.

Für die Jugendlichen werden die Landschaften zur Kulisse ihres Coming-of-Age. Katharina Jung steht in einem engen persönlichen Kontakt zu ihren Modellen. Es sind Freunde und Begegnungen aus ihrem eigenen Leben. So schwingt in den Geschichten von Loslassen, Aufbruch, Wagnis und Freiheit, mit denen sich ihre Akteure in die Welt stürzen, immer etwas Intimes mit. Entrückt zwischen Schlaf und Ekstase zeugen sie von einem Urvertrauen in eine kosmische Ganzheit. Die Natur wird zu einer Metapher ihrer eigenen Persönlichkeit und all dessen, was noch vor ihnen liegt. Sie ist ein Ort der Bewährung, der unbekannte Gefahren birgt, aber auch Sinnbild von seelischer Heimat, Geborgenheit und Erlösung. Sie führt die Ausreißer und Abenteurer zum Ursprung ihrer Suche und letztlich zu sich selbst.

Mit diesem romantischen Motiv berühren Katharina Jungs Arbeiten die Welt des Mythos und des Märchens. Wo sich die Körper in übersinnlichen Metamorphosen auflösen oder zu schweben beginnen, stößt ihre Fotografie an die Grenze von Realität und Fiktion. Katharina Jung verzichtet weitgehend auf eine Nachbearbeitung ihrer Fotos. Die Atmosphäre, die sie mit einem untrüglichen Gespür für Licht und Farbe einfängt, und die Stofflichkeit, die sie mit illusionistischer Tiefenschärfe nahezu greifbar macht, sind echt. Photoshop kommt nur dort zum Einsatz, wo die Magie des Metaphysischen auf andere Weise nicht fassbar ist. Doch gerade dieses Spiel mit der Authentizität des Fotografischen erfüllt die Landschaften mit Wehmut. Es macht sie nah und doch unerreichbar fern.

Damit ruft Katharina Jung eine Sehnsucht wach, die typisch ist für ihre Generation – und zwar seit Jahrhunderten. Sie sitzt umso tiefer, je mehr die eigene Lebenswirklichkeit von ihr abweicht; je mehr diese zerrissen ist statt ganzheitlich, kontrolliert statt frei, konsumtiv statt nachhaltig und virtuell statt wahrhaftig. Ihre Bilder fangen die Gefühlslage des 21. Jahrhunderts ein und den Wunsch, raus zu wollen – in jeglicher Hinsicht.
Katharina Jung selbst hat den Aufbruch bereits gewagt und bereist als Aussteigerin die ganze Welt.

 

Alexandra Orth