Helge Hommes

Helge Hommes

Malerei, Soziale PlastikTrier

Biografie

1964 in Schwelm geboren 1987 Übersiedlung nach Trier, dort ab 1988 Straßenmaler, Selbststudium in Kunst und Kunstgeschichte. Ab 1992 erste Ausstellungen. Seit 2002 Atelier in Aachen. Seit 2012 Atelier in Leipzig

Preise und Stipendien

2003 Ramboux-Preis der Stadt Trier

Einzelausstellungen (Auswahl)

2015 ART Karlsruhe / One Artist show / Galerie Raphael, Frankfurt a.M.; Morgenland, Galerie Raphael, Frankfurt a.M. (K); Morgenland, Galerie Michael W. Schmalfuss, Marburg-Berlin; ...kommst du mit in den Wald, Galerie Neuheisel, Saarbrücken und Galerie Freitag 1830, Aachen 2014 Morgenland, Museum Siegburg und Galerie Teapot, Köln; Das Ur-Licht, in der Alten Post, Leipzig, Galerie Queen Anne; Podiumsdiskussion (...wie wollen wir leben ? ) Gäste: Dr. M. Griefahn, M.S. Salomon, Luci van Org, M. Braungart, Moderation A. Ehlers, Halle 14, Zentrum für Gegenwartskunst + Galerie Queen Anne, Baumwollspinnerei, Leipzig 2013 Helge macht Feuer, Galerie Queen Anne, Leipzig; Performance Helge bügelt den Times Square, Central Park und Times Square, New York 2012 (ich)...folge mir, Galerie Teapot, Köln; noch besser leben, Galerie Freitag 1830, Aachen; wer bin ich?, Galerie Erhard Witzel, Wiesbaden und Galerie Epikur, Wuppertal 2011 quod sumus – hoc eritis, Galerie Queen Anne, Leipzig; Sperrmüllbaum, Land-art-Festival Grenzkunstroute, Aachen; quod sumus – hoc eritis , Galerie Michael W. Schmalfuss, Berlin; Waldesruh, Galerie kokon, Tilburg, Niederlande 2010 quod sumus – hoc ertitis, Kunstverein Siegen (K); Waldesruh, Galerie Freitag 1830, Aachen und Galerie Roland Aphold, Basel, Schweiz

(K) = Katalog

Veröffentlichungen

Manifest. Helge macht Feuer, Leipzig 2013
Begrünungen, Wuppertal – Oberhausen 1997; Ausgrabungen, Wuppertal 1992

Kontakt

www.helgehommes.de

Der Baum ist ein Symbol des Lebens. Helge Hommes wächst mit ihm.
Was den Baum zum Lebenssymbol macht, sind die ontologischen Strukturen, die in ihm sichtbar werden: das Sprießen, Wachsen,Blühen und Reifen vom Samen zum mächtigen Stamm; der Kreislauf von Erde, Wasser, Luft und Licht, der als vitale Kraft von den Wurzeln bis in die Triebe pulsiert; der Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, dessen Lauf von Jahrhunderten im Wuchs des Holzes gespeichert ist. Der Baum steht für eine kosmische Ordnung, die sich von Mikro bis Makro wiederholt. In ihr finden sich auch der Mensch und sein soziales Gefüge wieder.

In seinen schwarz-weißen Baumabstraktionen beginnt Helge Hommes Ende der 90er-Jahre, diese Strukturen nachzuzeichnen. Schattenrisse von blattlosen Stämmen und Zweigen werden auf der weiß lasierten Leinwand zu einer Komposition aus Linie, Fläche und Raum. Er führt das Konstruktive auf seinen Ursprung zurück, auf die Architektur des Wachsens und Vergehens. Auf der Suche nach Nahrung und Entfaltung bahnen sich die Äste ihren Weg. Monumental, urwüchsig, wild und rau dringen sie in das Refugium des Betrachters ein und konfrontieren ihn mit der Essenz des Seins. Die Auseinandersetzung mit dem Baum ist für Helge Hommes kontemplativ.

Bei seinen Baumporträts, die er seit 2005 verfolgt, vertieft er sich bis ins dichteste Geäst in sein Motiv. Mit fotorealistischer Akribie spürt er den Bäumen bis in die feinsten Verzweigungen nach; wie sie um Sonne, Regen und Freiraum konkurrieren, sich ausweichen und brechen, verwachsen und sich stützen. Er hält die Risse, Schrunden und Knoten fest, die von Hitze, Kälte, Beengung und Entbehrungen erzählen; dokumentiert die subtilen Farbnuancen zwischen der trockenen Borke und den samtigen Flechten. Die Bäume sind eingebunden in ein komplexes System aus Umwelteinflüssen, die Spuren auf ihnen hinterlassen. Indem Helge Hommes diese ergründet, gelingt es ihm, die Prozesse hinter der Formbildung zu verstehen. Die visuelle geht mit einer geistigen Erkenntnis einher.

Der Baum wird für ihn zu einem Modell des Zusammenlebens, dessen Stoffwechsel und Symbiosen auch als Bild gesellschaftlicher Beziehungen zu verstehen sind. Für das Konzept Die Wir-Familie überträgt Helge Hommes das Prinzip Baum daher auf seine eigene Biografie. Er porträtiert Menschen, die den Nährstoff seines Wachstums bilden: Philosophen, Politiker, Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler, die seine Lebensanschauung über Jahre gedeihen ließen.
Diese Bilder waren Teil einer raumgreifenden Installation, die er 2013 in der Galerie Queen Anne inszenierte. Helge Hommes verwandelte die Räume in das dunkle Innere einer Wurzel. Die Galerie wurde komplett mit schwarz lackierten Holzresten ausgekleidet. Im Zentrum brach ein weißer Sperrmüllsprössling aus dem Boden, auf dem der Künstler thronte – über Drähte mit den Porträts seiner Wir-Familie verbunden, die in einen Fernseher und Sendemast im Außenbereich mündeten. Von dort schickte er seine Gedanken als Störsignal in die Welt.
Im Rahmen dieser Installation verlas Helge Hommes erstmals sein 100 Seiten starkes Manifest Helge macht Feuer. In dieser gegenwartskritischen Schrift zeigt er auf, wie der Mensch – bewusst oder unbewusst – in Normen und Direktiven verwurzelt ist, die seiner Entwicklung hinderlich sind. Er spricht sich für eine gesellschaftliche Neuorientierung und die Ausarbeitung alternativer Lebensentwürfe aus. Dem Künstler kommt dabei die prometheische Rolle des Zündfunkens zu. Mit der Frage „Wie wollen wir leben?“ ruft er den Leser zur aktiven Mitgestaltung seiner Umwelt auf.

Eine erste Umsetzung fand diese Vision 2014 mit dem viel beachteten Projekt Das Ur-Licht. Gemeinsam mit Bürgern der Stadt Leipzig setzte Helge Hommes mit einem zweistökkigen Mammutbaum aus Sperrmüll ein Zeichen für Toleranz, Zusammenhalt, gesellschaftliche Teilhabe und nachhaltige Ideen. Vom Symbol des Lebens wurde der Baum zum Vorbild einer ganzheitlichen Lebensgestaltung.

Ob die Zeit reicht, diese umzusetzen, bleibt für Helge Hommes jedoch ungewiss. In seinen jüngsten Bildern der Reihe Morgenland verschwinden die Spuren des Menschen unter einer übermächtigen Vegetation. Zwischen den Wurzeln der Bäume machen sich bereits neue Organismen für die Evolution bereit.

 

Alexandra Orth