Gilles Pegel

Gilles Pegel

Skulptur, InstallationLuxemburg

Biografie

1981 né à Esch-Alzette 2001-2005 Licence en arts plastiques, visuels et de l’espace de l’Enseignement supérieur artistique de type long et de niveau universitaire, ISLAP/ ERG (École de Recherche Graphique) Bruxelles, Belgique. Vit et travaille au Luxembourg

Einzelausstellungen

2014 Labo (untitled), in the framework of Fabien Giraud and Raphaël Siboni’s The Unmanned show, Casino Luxembourg, Luxembourg 2012 Emergency – S.O.S design made in Luxembourg, Maison du Luxembourg, Bruxelles, Belgique, Commissaires: Anna Loporcaro et Steph Meyers 2010 Moving Worlds – Roundabout II, Triennale Jeune Création, Lieu satelite KIOSK/AICA, Luxembourg, Commissaire: Didier Damiani

Kontakt

www.medium.lu

Das menschliche Dasein sowie aktuelle Themen werden in Gilles Pegels künstlerischen Arbeiten thematisiert. Als „Kind seiner Zeit" interessiert er sich für gegenwärtige wissenschaftliche und technologische Entwicklungen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Phänomene. Pegel lässt die Dinge in neuem Licht erscheinen und regt so den Betrachter zum Nachdenken an. Dabei tragen die von ihm ausgewählten Mittel und Materialien wesentlich zur Deutung der Arbeiten bei.
Erst auf einer zweiten Ebene fungieren sie als ästhetische und visuelle Erfahrung.

In perverted chirality (2015) greift Pegel die Theorie der Chiralität auf: die Betrachtung der Gesetzmäßigkeiten zweier zueinander spiegelbildlicher Systeme. Pegel materialisiert hier eine von Harvard-Forschern gefundene Methode, die einen neuen Blick auf die Wissenschaft und somit im weitesten Sinne auf die Menschheit ermöglicht. Ausgehend von den naturgegebenen physikalischen und chemischen Gesetzen entwirft Pegel ein 3D-Modell einer Hemihelix, einer durch die Änderung der Chiralität entstandenen Anomalie einer herkömmlichen Helix. Er materialisiert somit dieses außergewöhnliche Phänomen, welches die Ordnung umstößt und eine Spiegelform der Helix entstehen lässt. Der Künstler vergleicht diese Abweichung mit dem früher unerklärlichen Knick im Telefonkabel.

Mit beißendem Humor und Zynismus nimmt Pegel sich aktuelle Themen unserer Gesellschaft vor. Seine Formensprache besteht aus trivialen Gegenständen und Materialien, die durch ihre Konnotation den Betrachter in Sicherheit wiegen. Kleine Veränderungen verschieben die Deutungen und führen zur Verunsicherung.

In Untitled (gift) (2014) wird beispielsweise eine unschuldige und kitschige Form zum Sinnbild unserer Gesellschaft und ihrer unsicheren Zukunft. Die mit Rohöl gefüllte Glaskugel erinnert in erster Linie an eine Schneekugel. Der trübe Inhalt jedoch verwischt die gängigen idyllischen Bilder und verweist auf eine dunkle Zukunft. So kann die Kugel auch als Wahrsagerkugel gesehen werden. Der Ölteppich im Inneren der Kugel kritisiert unsere Gesellschaft und deren Umgang mit unseren Ressourcen.

Mit knowledge (2012), einem Entomologiekasten mit neun Kreidestücken, verbildlicht Pegel die konstante Evolution unseres Wissens. Der Gebrauch von Kreide spielt auf die schulische Wissensvermittlung an, jedoch erhebt die überspitzte Präsentation die Kreidestücke zu etwas Preziösem und versinnbildlicht den Wert der Bildung.

A complete understanding is no longer possible (2013) stützt sich auf die neuen technologischen Möglichkeiten, die uns heutzutage das Ansammeln und Archivieren von Wissen ermöglichen. Die zu kompakten Blöcken zusammengepressten Enzyklopädie-Bände stehen symbolisch für den ungreifbaren Überschuss an Information und Wissen. Die Schraubzwingen symbolisieren das Komprimieren zu abspeicherbaren Daten. Die Installation erinnert an Archivvorrichtungen oder an Serverracks, wie sie für die digitale Aufbewahrung benötigt werden. Pegel thematisiert den fortschrittlichen Zugang zum unendlichen Wissen, nimmt jedoch gleichzeitig Bezug zur ernüchternden und entmutigenden Tatsache, dass ein Erfassen des Ganzen schlicht nicht mehr möglich ist.

Aus Edelstahl geformte Anführungszeichen verkörpern die allmähliche Verblödung der Gesellschaft durch klickstarke Social Media Headlines. Die Skulptur In quotes we trust (2012) symbolisiert das Eifern nach Trefferquoten in den sozialen Netzwerken. Pegel kritisiert hier das blinde Teilen, Liken und Posten von vermeintlichen Informationen und Aussagen, die zumeist nicht recherchiert sind und oftmals völlig aus dem Kontext gerissen werden.

Gilles Pegels Arbeiten sind an mehreren Standorten im Simeonstift zu entdecken. Dies erlaubt es dem Betrachter, Pegels künstlerische Interventionen und die bestehende Kollektion miteinander zu verbinden. Es entsteht ein Dialog zwischen den historischen Exponaten des Museums und den zeitgenössischen Arbeiten.

 

Daniela Del Fabbro