Clément Richem

Clément Richem

Installation, VideoMetz

Biografie

1986 né à Lons-le-Saunier 2008 Erasmus, Fachhochschule Trier, Allemagne; Ecole Supérieure d’Art de Lorraine Epinal, obtention du DNAT avec les félicitations du jury; Master de la Fundacion CIEC, Betanzos, La Corogne, Espagne (techniques de l’art imprimé) 2008/2010 Ecole Supérieure d’Art de Lorraine Metz. Vit et travaille à Besançon

Preise und Stipendien

2015 Aide à la création DRAC Franche-Comté 2014 Aide à l’installation DRAC Alsace; Résidence de création d’un multiple, Atelier Ergastule, Nancy 2013 Résidence à l’atelier de gravure Alfara Estudio, Salamanca, Espagne; Bourse de Résidence, Ville de Strasbourg en partenariat avec le CEAAC, Grafikwerkstatt Dresden, Allemagne 2011 Premier prix au IV Premio Internacional de Grabado y Vino de Bodegas, La Rioja Espagne 2009/2010 Bourse pour le master d’art graphique de la Fondation CIEC, Betanzos, La Corogne, Espagne

EInzelausstellungen

2015 Les modules – Fondation Pierre Bergé – Yves Saint Laurent, Palais de Tokyo, Paris / commissariat : Daria de Beauvais 2014 Multiple echo, Atelier Ergastule, Nancy 2011 Terre et cendre, Galerie Modulab, Metz 2010 Sous les étoiles, Atelier Milpedras, La Corogne, Espagne

Veröffentlichungen

2015 e.cité – Europe, édité par Apollonia, échanges artistiques européens

Kontakt

clementrichem.wordpress.com

Clément Richem beschäftigt sich seit mehreren Jahren tiefgreifend mit einer Arbeit über die Materie. Ein Eindringen in die Welt der Natur durch die Verwendung von Sand, Lehm, Wasser oder auch Pflanzen, die er mittels verschiedener Medien auf neue Weise wiedergibt: als Zeichnung, Stich, Lithografie, Skulptur oder auch als Video. Das erste Projekt dieser Art wurde 2012 verwirklicht. Unter dem Titel Terres et cendres (Erden und Aschen) bestand es aus einer Art kleinem 3-D- Theater, das auf künstliche Weise eine Landschaft neu erschafft. Kein einziges Wesen bevölkert diese. Vor unseren Augen entwickelt sich die Natur und gibt sich den Experimenten des schöpferischen Künstlers hin : Zunächst gerät die Erde unter dem scheinbaren Einfluss eines Erdrutsches oder des Windes in Bewegung. Danach verdüstert sich der Himmel, Wolken entstehen und vergießen große Wassermengen, welche die Erde durchtränken. Aus dieser sprießen Pflanzen hervor, dann erhebt sich ein Gebäude aus der Erde – wie ein Turmbau zu Babel, der wie eine Koralle aus der Natur hervorgeht. Der Himmel klart auf. Der Turm wächst immer höher. Am nun dunklen Himmel erscheinen Sterne. Am Tag danach schreitet der Bau voran, aber die Erde wird erneut von Stößen erschüttert ... und der Turm stürzt ein. Angesichts der Katastrophe nimmt die Natur ihren Lauf, die Pflanzen werden immer gewaltiger. Im zweiten Teil des Videos ist alles, was die Landschaft ausgemacht hatte, verschwunden, als sei es durch einen heißen Windhauch verbrannt. Nun erwächst aus der Asche eine Stadt mit ihren gewaltigen Wolkenkratzern, die diesmal den ganzen Raum des Mikrokosmos einnehmen. Wirklich? Vielleicht auch nicht, denn die Geschichte ist ein ewiger Neubeginn, ein endloser Zyklus der Konstruktion und Destruktion, und eben dies will Clément Richem enthüllen. Das Ganze spielt sich vor unseren durch die Szenerie hypnotisierten Augen ab, einem Ablauf folgend, der die immense Geduld ihres Schöpfers erahnen lässt.

Der Künstler steht in der Tradition des naturalistischen Dioramas und lässt durch Lichteffekte und den Verfall der verschiedenen natürlichen Elemente, die er in seinen Landschaften erzeugt, die Illusion von Bewegung entstehen. Er bedient sich des „stop motion“- oder „Bild für Bild“-Verfahrens. Diese Animationstechnik zielt darauf ab, starre Bilder in Bewegung zu versetzen – in diesem Fall in regelmäßigen Intervallen aufgenommene Fotos, die Stück für Stück zu einem Film zusammengesetzt werden. Der Eingriff des Künstlers selbst in seine Clips verhindert, dass daraus ein simpler Zeitraffer wird. Die von Clément Richem aufgenommenen Szenen sind allerdings nicht leblos. Es handelt sich um Lebendiges, daher ist der Künstler, wenn er in diese millimetergenaue Zerstörung eingreift, dabei stets einer gewissen Unvorhersehbarkeit unterworfen, die ihn dazu zwingt, sich bei jedem neuen Arbeitsschritt einem sich ständig wandelnden Drehbuch zu unterwerfen. Wie wollte man auch die Entwicklung dieser durch „natürliche“ Elemente zerstörten Konstruktionen vorhersehen, deren Auswirkungen niemand vollkommen beherrschen kann? Darin besteht die Mehrdeutigkeit der Videos des Künstlers.

Die Herstellung der Fotos geschieht langsam und wird vom Rhythmus der Natur (Zeit des Aufblühens, Erosion des Bodens durch das Wasser usw.) bestimmt. Sie wird jedoch ausgeglichen durch das abschließende Aneinanderfügen der Bildabfolge. Die dem Werk innewohnende Zeit wird durch den Künstler in der Phase der Nachbearbeitung neu zusammengestellt. Im Rahmen eines langen Prozesses überlässt er seine Welten dem Zusammenwirken von Künstler (sich selbst), Natur und Zeit und macht so die Dehnbarkeit von Zeit und Materie in höchstem Maße fühlbar. Zeit als Materie.

 

Élodie Stroecken