Claudia Vogel

Claudia Vogel

Malerei, InstallationSaarbrücken

Biografie

1975 geboren in Bernburg/Saale 2001–2006 Studium der Freien Kunst/Malerei an der HBKsaar bei Prof. Sigurd Rompza 2003 Gastsemester an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Helmut Federle 2006 Diplom und Ernennung zur Meisterschülerin von Prof. Sigurd Rompza. Lebt und arbeitet in Saarbrücken.

Preise und Stipendien

2011 Förderstipendium der Landeshauptstadt Saarbrücken

Einzelausstellungen

2014 heiter bis wolkig, Kunstverein Dillingen, im Alten Schloss, Dillingen; Intervalles/Intervalle, Galerie de la Médiathèque Forbach, Frankreich 2011 Objekte, Kulturfoyer, Saarbrücken; Rakel und Faden – Malerei und Objekte von Dirk Rausch und Claudia Vogel, Galerie in der Aula, Sulzbach 2009 zu zweit, Galerie Grewenig/Nissen, Heidelberg-Handschuhsheim 2005 Am Bild arbeiten, Galerie St. Johann, Saarbrücken

Veröffentlichungen

Claudia Vogel – Objekte, in: Saarbrücker Hefte, 106, Saarbrücken 2012

Kontakt

claudiavogel@gmx.de

Der Konkreten Kunst eigen ist die 1930 im Gründungsmanifest der Gruppe Art concret formulierte, wesentliche Gestaltungsorientierung auf mathematisch-geometrische Grundlagen, sodass nichts in unserer materiellen Realität Vorhandenes abstrahiert, sondern Geistiges materialisiert werden soll. Eine inhaltliche oder symbolische Bedeutung wird hierbei nicht angestrebt, vielmehr steht ein wissenschaftlich-analytisch geprägter, forschender Ansatz im Vordergrund, der seine Schwerpunkte in der Untersuchung der Interaktionen von Form und Farbe, von Fläche und Raum formuliert.
In vorangegangenen Generationen Konkreter Künstlerinnen und Künstler wurden diese Aspekte vorrangig unter dem Gesichtspunkt geometrischer Gesetzmäßigkeiten behandelt, was in formaler Hinsicht größtenteils eine ausgesprochen strenge Strukturierung der Arbeiten bedingte. Jüngere Vertreterinnen und Vertreter dieser Kunstrichtung lösen sich vermehrt von einem bisweilen dogmatisch geprägten Theorieansatz und formulieren freiere Bildlösungen.

So thematisiert Claudia Vogel in ihren Arbeiten Farbe und Materialität als genuine Bildkomponenten und formuliert dabei eine ästhetische Befragung der kanonisierten Konstituenten des tradierten Tafelbildes. Dabei gelten für Claudia Vogel, als jüngerer Vertreterin der Konkreten Kunst, die Erscheinungspotenziale von Farbe, losgelöst von lokalfarbig-gegenständlicher Bezeichnung, als vorrangiger Untersuchungsgegenstand im künstlerisch-experimentellen Prozess der Bildgenese.
Der Eigenwert und die Wirkmächtigkeit der Farberscheinung sind hierbei immer eng verbunden mit der sie tragenden und hervorbringenden, physikalischen Farbmaterie, die in unterschiedlichen Verfahren ihre bildliche Anwendung im Werk findet, sodass aus der Korrelation von Farbund Texturvariationen polyvalente Farbräume in der Durchdringung einer sowohl haptisch wie auch visuell bestimmten Wahrnehmungsoberfläche entstehen.

Offensiv zeigt sich dies in einer Werkgruppe, in der die Farbe nicht flächig-deckend dem Grund aufliegt, sondern durch die Rückseite des Bildträgers transportiert wird. Als Bezugssystem und Farbträger wirken hierbei unterschiedliche textile Stoffe, etwa Jute oder Gaze, mit orthogonaler Netzstruktur. Durch die Maschen wird die jeweils monochrome Materie von Ölfarbe gerieben, die im Verlauf eines langfristigen Trocknungs- und Aushärtungsprozesses nicht vollends kalkulierbare, zwischen reliefartig-objekthafter Anmutung und farbräumlicher Bildsituation changierende Anschauungsprodukte erzeugt. Motiviert durch die vielgestaltige Oberflächenstruktur zeigt sich dabei auch eine reiche Wechselwirkung von Farbe und Lichtbedingungen, die auch über die Bild- und Objektgrenzen hinaus wirkt. In sich verändernden Lichtsituationen, auch in Abhängigkeit vom verwendeten Material und dem Betrachterstandort, zeigen sich von matt bis aufglänzend variierende Erscheinungsformen der Farbwerte sowie Schwebungen, bei denen die Farbmanifestation sich vor dem substanziellen Träger zu entwickeln scheint. Nicht zuletzt durch diese Phänomene beinhalten die Arbeiten von Claudia Vogel eine potenzielle Tiefenräumlichkeit, die sich nicht in einer rational-metrischen Konstitution beschreiben lässt, sondern in der Wechselwirkung von Farbphänomen und materieller Strukturbildung begründet liegt.
Darüber hinaus entstehen im Trocknungsprozess, je nach verwendetem Material, Risse oder Verwerfungen als Mikrostrukturen, die in ihrer linearen sowie flächenbezogen sich ausweitenden Schattenwirkung gleichsam grafische Elemente in die Kompositionen einbringen und so Assoziationen zu landschaftlichen und organischen Aspekten wecken. In einer weiteren Werkgruppe behandelt Claudia Vogel die aus der Farb-Materie-Relation hervorgehenden Phänomene auf andere Weise. Mit farbigen Garnen, die als orthogonales System in eine Kartonplatte gestickt werden, überzieht die Künstlerin die Fläche mit einem filigranen Gewebe aus sensibel nuancierten Farblinien, die bei einer Betrachtung aus der Distanz eine lichthaltig-vibrierende, nahezu transluzente Erscheinung zeigen und die hingegen in der Nahsicht die Detaillierung der künstlerischen Form offenbaren. In beiden Modi der Betrachtung bezeugt die Bildgestaltung ein Höchstmaß an ästhetischer Gültigkeit und sinnlicher Kohärenz.

In einer jüngst begonnenen Serie von Arbeiten mit Gipsausgüssen von Kunststoffverpackungen tritt die Dreidimensionalität über die materielle Formung deutlich hervor. Die hierbei entstandenen Hochreliefs werden, ausgehend von ihrer vorgegebenen plastischen und grafischen Struktur, so behandelt, dass farbige Areale klarer begrenzt sind, als in den zuvor angesprochenen Werkbeispielen. Dennoch ergeben sich Variationen durch die Wölbungen der Formen sowie in sich damit verbindenden Schattenbildungen.

Mit einem Spektrum unterschiedlicher Bildlösungen die für den Kunstpreis Robert Schuman 2015 simultan präsentiert werden, ist Farberscheinung als Sinnesempfindung in den Arbeiten von Claudia Vogel in besonderer Weise anschaulich verwirklicht.

 

Andreas Bayer