Porträt

Claire Decet

Malerei, InstallationMetz

Biografie

1978 née à Thionville 2000 DNAP Art - Diplôme national d’art plastique, École Supérieure d’Art de Lorraine, Metz 2002 DNSEP Art -Diplôme national supérieur d’expression plastique, obtenu avec les félicitations du jury, École Supérieure d’Art de Lorraine, Metz. Vit et travaille à Hettange-Grande.

Preise und Stipendien

2015 Los Angeles,USA 2013 La Pratique, Vatan 2011 La Pratique, Vatan 2009 Berlin, Allemagne Bourse délivrée par le Conseil Général de la Moselle 2004 La Chapelle des Fougeretz et Montgermont, Rennes Métropole

Einzelausstellungen

2014 Été austal – Hiver boréal / Été boréal – Hiver austral, galerie Octave Cowbell, Metz 2013 Belvédère, Centre Jacques Brel, Thionville 2012 Tout un monde lointain, Galerie Jeanrochdard, Paris 2010 Collection, galerie Delko, Rennes

Veröffentlichungen

Keep your feelings in memory, Agence Borderline, 2014
Le Salon - La Vitesse, numéro 6, Revue du centre de Recherche I.D.E, ÉSAL, 2013
The Drawer, revue de dessin, volume 3 - Vertigo, 2012

Kontakt

www.clairedecet.com

Claire Decet hat schon immer in Hettange-Grande gelebt. Das ist nicht nebensächlich, denn ihre alltägliche Umgebung bildet die erste Inspirationsquelle für ihre Werke. Nehmen wir in dieser Kulisse etwa das Kernkraftwerk: Es steht da und bildet einen integralen Bestandteil der Umwelt für die dort lebende Bevölkerung, welche Tag für Tag die aktuellen Geschehnisse im Auge hat. Wie könnte man es übersehen?
Und dennoch wird es für viele unsichtbar. Indem sie es zum Gegenstand ihrer Malerei macht, gibt Claire Decet ihm seine Bedeutung zurück, zumindest für all jene, die in seiner Nähe wohnen. Sie bemächtigt sich seiner regelmäßig in verschiedenen Formaten und enthüllt die Nuancen der umgebenden Landschaft: Himmel, Wolken, Vegetation, die Natur, die es umgibt und unaufhaltsam ihren Lauf nimmt. In diesem so besonderen Biotop lauert eine Art latenter und bedrohlicher Unruhe.

Anknüpfend an eine gewisse Vorstellung von Klassizismus geht sie an diese Reihe von Ölgemälden heran wie an eine regelrechte Landschaftsstudie mit einem Motiv, das jedes Mal einer anderen Beleuchtung und einem anderen Fokus unterliegt. Die Künstlerin geht immer zuerst von einer Fotografie aus, die sie dann auf präziseste Weise reproduziert. Es ist also eine langwierige Arbeit der Nachahmung der Natur, die sich eingeprägt hat, aus dem Gedächtnis und der Wahrnehmung heraus, während derer sie versucht, auf ihrer Leinwand die Harmonie wiederzugeben, die ihr Auge in dem Moment der Aufnahme erfasst hat. Außerhalb dieser Zeit und allen Strebens nach Produktivität begibt sich die Künstlerin in eine mehrere Wochen anhaltende Askese. Als Perfektionistin überarbeitet sie unzählige Male ihre Kompositionen, die so letztlich zu Werken werden, die einem immerwährenden Wandel unterliegen. Eine Art Langsamkeit drängt sich ihr auf. Keine Anforderung, keine Haltung, lediglich ein Zustand, den sie schon immer empfunden hat, in ihrer Kunst wie in ihrem Leben. Eine globale Bewusstwerdung. Die Zeit, die sie dem Werk widmet, ist Entschleunigung. Dasselbe gilt für ihre Gemäldeserie Misère [frz. misère = dt. Dreimasterblume / Gottesauge], deren Titel sich auf jene mehrjährige, widerstandsfähige Pflanze bezieht, die oft unsere Wohnungen und Gärten ziert und in zahlreichen Unterarten auftritt. Während eines Künstlerstipendiums in Berlin hat sich die Künstlerin auf die Suche nach Naturobjekten gemacht, die in diesem Universum zu finden waren und sich von ihrer alltäglichen Umwelt unterschieden, und daraus diese Serie abgeleitet, die eine Art domestizierter Natur darstellt. Die durch die Bewohner auf einem Balkon, an einem Fenster oder in einem Innenhof geschaffenen Muster verändern den Blick auf die Landschaft, wie sie Claire Decet bisher betrachtet hatte und lassen eine neue Auffassung von Schönheit in ihrem Werk aufkommen. Sie wird zum Schaufenster. In diesem speziellen Kontext werden mehrere Gemälde entstehen, welche die durch den Menschen gezähmten und durch die Künstlerin inszenierten Pflanzen in unterschiedlichen Umgebungen darstellen und die Vorstellung einer Art künstlicher Jahreszeiten zulassen.

Mitunter lässt Claire Decet die Natur selbst in den Ausstellungsraum eintreten. So etwa in ihrer Serie Collection, die aus frischen oder getrockneten, einfachen, wilden,in der sie umgebenden Natur gepflückten Blumen besteht. Die Nutzung der lokalen Ressourcen lässt eine dem Verfall preisgegebene Landschaft entstehen, die sich während der gesamten Dauer der Ausstellung verändert. Die Künstlerin sammelt diese Sträuße und stellt sie immer wieder neu zusammen, verlängert so deren Leben und verleiht diesen Pflanzen, die zur Zerstörung bestimmt waren, einen neuen Status. Diese Inszenierung der Natur führt wie bei den „Schaufenstern" zu einer neuen Sichtweise auf das Stillleben (nature morte). Eine „nature morte", die stirbt und zerfällt, so wie die Zeit, die von Claire Decet eingesetzt wurde.

 

Élodie Stroecken