Céline Fumaroli

Céline Fumaroli

SkulpturMetz

Biografie

1990 née à Lille 2011 BTS Communication visuelle, Lycée Charles de Gaulle, Chaumont 2013 DNAP avec mention, ÉSAL Metz 2015 DNSEP avec félicitations, ÉSAL Metz. Vit et travaille à Nancy

Preise und Stipendien

2015 Prix Point d’Or ÉSAL Metz 2014 Premier prix Rotary dans la catégorie dessins, peintures, gravures

Einzelausstellung

2016 Modulab, Metz

Veröffentlichungen

Le Salon, numéro 8, Revue du centre de recherche de l‘ÉSAL – cahier de travaux étudiants, 2015
Le Salon, « Du travail ! », numéro 7, Revue du centre de recherche de l‘ÉSAL – cahier de travaux étudiants, 2014

Kontakt

celine.fumaroli@wanadoo.fr

Nicht aus Lust am Leiden gehe ich gerne zu Fuß,
sondern weil die Langsamkeit Dinge enthüllt,
welche die Schnelligkeit verbirgt.

(Sylvain Tesson, Kurzer Bericht von der Unermesslichkeit der Welt)

Wer auch immer die künstlerische Herangehensweise Céline Fumarolis erfassen will, sollte Zugang zu ihrem Notizbuch haben. Dieses begleitet sie ständig, wo auch immer sie sich befindet, und sie notiert alles, was ihre Arbeit bereichern könnte, eine Art Eselsbrücke, Matrix und Ideenbrutkasten. Dort sind Hunderte von Seiten nummeriert, von oben bis unten angefüllt mit ihren Wörtern, ihren Skizzen oder auch beim Lesen zusammengetragenen Zitaten. Diese Elemente lassen sich dechiffrieren, als folge man einem Wurzelgewirr, das aus vielfältigen Verbindungen besteht, oder als zwänge man sich in die verschiedenen Schichten eines reichen und dichten Bodens. Das Notizbuch ist im Grunde genommen ein Abbild ihrer plastischen Vorgehensweise und kann als eine mentale Kartografie betrachtet werden. Die Künstlerin stellt selbst eine Analogie zur Welt der Geologie her und betrachtet es als Karte eines unterirdischen Steinbruchs mit Kammern und Stützpfeilern … „Die Kammer stellt die unberührte Oberfläche der Seite dar, wogegen die Pfeiler den Abschnitten der Texte entsprechen, die in ihren Augen den ganzen Sinn ausmachen. Das hieße, ihre Notizen mit tragenden Wänden zu vergleichen, die zur Unterstützung ihrer Arbeit unersetzbar sind.“*

Céline Fumaroli hat 2015 ihr Diplom an der École Supérieure d’Art de Lorraine erhalten. Ihre Arbeit fällt durch den spannenden Kontrast auf, den die Künstlerin zwischen der Finesse ihrer plastischen Arbeiten, der Sanftheit ihrer Botschaft und der Kraft jedes ihrer Werke erreicht. Vielleicht sollte man mit ihren Zeichnungen beginnen, wahrhaften Präzisionsarbeiten aus außerordentlich feinem Filz; sie beschreiben abstrakte Landschaften aus Brüchen, Verschiebungen und Anlagerungen, die Stück für Stück zusammengesetzt sind und so die regelrechte Studie einer Morphogenese darstellen. Cap vers [unübersetzbares Wortspiel: „cap sur“ bezeichnet die Richtung, hier verschmolzen mit „Cap Vert“, den Kapverdischen Inseln] lautet der Name, den sie aus einem Wortspiel heraus einer ihrer Serien gegeben hat und der uns einlädt weiterzugehen, uns auf die mentalen Landschaften zuzubewegen, die sie während der Dauer ihrer Herstellung wie ein Gipfelstürmer durchschritten hat. Die Zeit des Werkes entspricht bei dieser Künstlerin einem geologischen Zeitalter, einer Ära, Millionen von Jahren. Wie Zellen vermehren sich ihre Orte langsam entsprechend geomorphologischer Prozesse, so in Glissement de Terrain (Erdrutsch), diese Zeichnung, die im Nachhinein zweigeteilt wurde, um eine Landschaft mit einer leichten Verschiebung neu zusammenzusetzen, so als ob das Papier die Auswirkungen der tektonischen Platten ertragen müsste.

„Es gibt wirklich nichts Zufälliges in meiner Arbeit, es gibt nur unvorhergesehene Wege, die sich abzeichnen. In dem Maße, in dem ich mit meiner Zeichnung voranschreite, bahnt sich der Weg selbst. Ich lasse mich lediglich durch die Landschaft treiben, die sich selbst erschafft, versuche ihre Bewegung zu begleiten, zu erfassen, wie sie sich Schritt um Schritt, Fragment um Fragment entwickelt, und ihre Geschichte zu begreifen.“

Dieses Eindringen in die Landschaft wird in ihren Skulpturen noch direkter. Nachdem sie den Ton bearbeitet hat, lässt sie ihn lange trocknen, um ihn danach wieder auf dieselbe Weise zu bearbeiten, wie es der vom Wind herangewehte Sand täte. Sie erodiert langsam die unförmige Masse, um scheinbare Natur von verblüffendem Realismus entstehen zu lassen. Hier ein Lavastein mit Tausenden von Löchern, dort ein Fels, der geradewegs aus der Wüste entstammt und dessen Form die Elemente sanft in Schichten ziseliert haben. Diese Les Érodées genannte Serie erlaubt es ihr, wie bei der Zeichnung, in die faszinierenden Falten und Fältchen der mineralischen Elemente einzudringen, in die Form der unberührten Räume einzutreten, zu versuchen, sich die Art und Weise anzueignen, in der diese Landschaften entstehen, und einen Vorgang durchzuspielen, dessen Endergebnis nie geplant war: „Das Wichtigste an diesen Skulpturen ist für mich das Phänomen der Abnutzung, das paradoxerweise zugleich eine Form ebenso schafft und modelliert, wie es sie auslöscht.“

 

Élodie Stroecken

 

* Quelle: Notizbuch der Künstlerin.